FCS verspielt sicher geglaubten Sieg

FCS verspielt sicher geglaubten Sieg

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Autor
Tobias Erlemann

Bis zur 82. Minute läuft im Spiel gegen den FC Le Mont alles rund. Doch dann kassiert der FCS noch zwei unnötige Gegentore – und muss sich mit einem 2:2 begnügen.

Zu früh gefreut: Die FCS-Spieler (Neitzke, Demiri, Gül, Mevlja und Torschütze Lekaj, von links) führten bis zur 82. Spielminute, ehe die Gäste aus der Romandie noch den schmeichelhaften 2:2-Ausgleich schafften. Bild: Michael Kessler

Direkt nach dem Spiel konnte Bertrand Ndzomo sein breitestes Lächeln aufsetzen. «Der Punkt ist wichtig für uns. Wir haben immer an unsere Chance geglaubt», gab der Mittelfeld-Puncher des FC Le Mont zu Protokoll. Diesen Glauben an etwas Zählbares hatte Ndzomo so ziemlich exklusiv an diesem Abend. Denn eigentlich hatte der FC Schaffhausen alles unter Kon­trolle. In den ersten zehn Minuten plätscherte die Partie so dahin. Doch dann nahm das Heimteam Fahrt auf. Und als Gjelbrim Taipi in der 17. Minute einen fein gezirkelten Freistoss gegen den Innenpfosten setzte, war der FCS richtig erwacht. Spielkontrolle? Ballbesitz? Torgefährlichkeit? In allen Bereichen waren die Schaffhauser besser. Die Waadtländer fielen eigentlich nur durch ihre rustikale Spielweise auf, nach vorne hatte Le Mont keinerlei Ambitionen.

Nicht verwunderlich, resultierte die FCS-Führung aus einem ruhenden Ball. Einen Freistoss zirkelte Steven Lang in der 26. Minute perfekt in den Sechzehner. Und dort präsentierte sich Innenverteidiger Granit Lekaj als starker Torjäger und lenkte den Ball ins Goal. Für den 27-Jährigen eine Befreiung, traf er in dieser Saison schon öfter Pfosten oder Latte. Und sah das Tor etwas unkonventionell aus, gewollt war der Abschluss in dieser Form allemal. «Ich wollte den Ball so treffen, es hat alles gepasst», so Lekaj, der sich über seinen Treffer freute.

Zumal es aus Schaffhauser Sicht noch formidabler wurde. Nach 69 Minuten legte Joker Shkelqim Demhasaj den Ball am Strafraum quer zu Taipi. Der 24-Jährige blieb locker und schlenzte den Ball elegant in die Maschen. 2:0 – der Drops schien gelutscht, wie auch Coach Murat Yakin befand. «Bis dahin haben wir ein gutes Spiel abgeliefert. Aber leider dauert eine Partie halt 90 Minuten und nicht nur 82», so der FCS-Coach, der direkt nach dem Match Erklärungen dafür suchte, was sich in den letzten Minuten im ­Lipo-Park abgespielt hatte.

... plötzlich ist der Vorsprung weg

So bekam der geneigte Zuschauer auch weiterhin keine Angstzustände vor etwaigen Sturmläufen des FC Le Mont. Offensiv sehr bescheiden agierte der Gast – aber plötzlich wurde er effektiv. So schnappte sich in der 82. Minute Ridge Mobulu den Ball und zog in den Strafraum. Der kurz zuvor für Lekaj eingewechselte André Goncalves, der sein Comeback nach längerer Verletzungspause gab, war leicht indisponiert. Mobulu liess sich nicht zweimal bitten und nagelte den Ball unter die Latte.

Nur noch 2:1, die FCS-Fans skandierten «Kämpfen und siegen» – was die FCS-Stars eigentlich auch taten. Doch in der 88. Minute kam es knüppeldick aus Sicht des Heimteams. Le-Mont-Stürmer Sessolo drang bis zur Grundlinie durch und legte nach innen. Dort wurde es dann vogelwild. Keeper Matic hatte seinen Körper irgendwie am Ball, der flog weiter zu Nejc Mevlja, der befreien wollte und dabei Kollege Muhamed Demiri anschoss, von dem die Kugel ins eigene Tor flipperte. «Le Mont macht aus dem Nichts zwei Tore, das ist unfassbar», meinte Captain André Luis Neitzke sichtlich enttäuscht nach diesem unnötigen 2:2-Remis.

Doch bei aller Tragik, frei von Kritik sind die FCS-Akteure nicht. So hätte das Heimteam noch engagierter auf die Entscheidung drängen müssen und den eigentlich schon ausgeknockten Gegner nicht «künstlich» am Leben halten dürfen. Für Yakin ein Stück weit ein mentales Problem: «Womöglich waren wir uns zu sicher, dass hier nichts mehr passiert. Nach zuletzt drei Siegen dachte der eine oder andere, es laufe einfach so weiter.» Mahnend schob Yakin nach: «Wir sollten uns immer bewusst sein, wo wir herkommen. Vor Kurzem waren wir noch Letzter, das dürfen wir nicht vergessen, und wir müssen so ein Spiel dann auch konzentriert zu Ende spielen.»

Das Positive: Nach zuvor zwei Niederlagen in dieser Saison gegen Le Mont wurde nun immerhin ein Punkt eingefahren. Und der FCS ist seit vier Spielen ohne Niederlage. So verteilte der gut gelaunte Ex-FCS-Captain Ndzomo Komplimente an seine ehemaligen Kollegen. «Wir haben heute gegen einen echt starken Gegner gespielt. Schaffhausen hat sich gut präsentiert», sagte der Mittelfeldkämpfer artig – und lachte sich insgeheim ins Fäustchen, war der gewonnene Punkt doch sehr schmeichelhaft für die Waadtländer.

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