Neuer Mitspieler am Schweizer Schulbuchmarkt

Publiziert am
Autor
Jeannette Vogel

Für den Lehrplan 21 braucht es neue Bücher. Der frisch gegründete Westermann Schulverlag setzt auf den Standort Schaffhausen.

Cornelia Heering leitet den neuen Schaffhauser Schulbuchverlag. Bild: zvg

Der Lehrplan 21 sorgt für eine neue Nachfrage nach Büchern. Die deutsche Westermann Gruppe will das Schulbuchgeschäft in der Schweiz ausbauen. Dazu hat sie eine Firma mit Sitz in Schaffhausen gegründet. Geschäftsführerin Cornelia Heering sagt: «Mit unserem neuen Verlag Westermann Schulverlag Schweiz AG wollen wir den Schweizer Bildungsmedienmarkt beliefern.»

Mit der Schubi Lernmedien AG ist die Gruppe in Schaffhausen bereits präsent. Der Verlag Schubi begleitet seit 126 Jahren Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen und hat schon über 4000 Titel herausgegeben. «In der Vergangenheit haben wir uns mit der Marke Schubi auf die Primarschule konzentriert. In Zukunft bedienen wir genauso stark den Sekundarschulbereich», sagt Heering. Noch führt sie beide Firmen, doch der Schubi-Teil soll einen neuen Geschäftsführer bekommen.

Das frisch gegründete Unternehmen befindet sich im gleichen Haus in Herblingen wie Schubi und übernimmt nicht nur einige Mitarbeiter: «Wir teilen mit Schubi auch das Motto ‹Jedes Kind ist anders – wir sind es auch›. Damit ist gemeint, dass wir viel Wert auf neue Wege des Lehrens und Lernens und auf Möglichkeiten zur Differenzierung legen», so Heering. Eine siebenköpfige Gruppe werde vom Schubi-Team in den Westermann Schulverlag übernommen. Das Marketing- und das Redaktionsteam sollen weiterwachsen, so Heering: «Wie erweitern und suchen Mitarbeiter für den Redaktionsbereich Primar- und Sekundarschule.» Gefragt sind auch freie Mitarbeiter, etwa Lehrer.

Einführung Lehrplan verschoben

Der neue Lehrplan soll gut, klar und schnell umgesetzt werden. Allerdings legen sich die Kantone auch mit dem Lehrplan 21 nicht auf ein Lehrmittel fest. «Wir müssen jeden Kanton einzeln informieren und das Gespräch ­suchen», sagt Heering. Nicht nur die Lehrbücher können kantonal verschieden sein, auch der Zeitpunkt der Einführung des Lehrplans 21 ist verschieden. Der Kanton Schaffhausen hat die auf das Schuljahr 2018/19 geplante Einführung kürzlich um ein Jahr verschoben.

«Wir entwickeln modernste Lehrmittel und arbeiten mit den Pädagogische Hochschulen (PH) Schaffhausen und St. Gallen und mit den Unis sowie der ETH Zürich zusammen», sagt Heering. Die Buchherstellung ist ein aufwendiger Prozess. Die Schaffung einer neuen Reihe inklusive Digitalprodukten dauert zwischen drei und sechs Jahren und kostet den Verlag Millionen, bevor das erste Lehrbuch verkauft wird: «Das Sammeln von Praxiserfahrung in Schulen ist unverzichtbar für die Entwicklung funktionierender Lehrmittel. Erst die Erprobung im Unterricht macht sie wasserdicht», sagt Heering.

In der Schweiz gibt es schon einige Lehrmittelverlage. Neben dem gemeinsamen Schulverlag der Kantone Aargau und Bern, Schulverlag plus, und dem Lehrmittelverlag Zürich ist der Klett und Balmer Verlag der dritte grosse Mitbewerber auf dem Schweizer Markt und als einziger in Privatbesitz. «Wir wissen voneinander und haben die gleichen Informationen», sagt Heering und fügt hinzu: «Jeder hat seine Stärken.» Das knappe Zeitfenster, bis 2021 muss der Lehrplan weitgehend implementiert sein, lässt Heering auf gutes Fussfassen hoffen: «Wir setzen im Moment sehr stark auf den Geografieteil, damit werden wir den grössten Erfolg haben», sagt sie: «Doch wir beschränken uns natürlich nicht nur darauf.»

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