«In jedem Schweizer Tunnel die Finger drin»

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Jeannette Vogel

Jeder Strassentunnel braucht Licht und Luft. Die Feuerthaler Firma Ticos sorgt im Kanton und schweizweit für beides – und für viel mehr.

Die ganze Wand ist voll mit Plänen von Schaffhauser Tunneln. Der Geschäftsführer von Ticos, Kurt Salvisberg, kennt inzwischen jeden Strassentunnel in der Schweiz, auch den Gotthard. Bild: Jeannette Vogel

Bei der Fahrt durch einen Tunnel sehen Auto-, Töff- oder Lastwagenfahrer kaum etwas von der Technik, die darin steckt. Kommt es aber zu einen Energieausfall, Brand oder Unfall können die von der Feuerthaler Firma Ticos geplanten technischen Anlagen lebensrettend sein. Alles, was sie macht, hat mit Sicherheit zu tun.

Vom Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Ticos Engineering & Software (E&S) AG nun den Auftrag für den Umbau sowie den Ersatz der Betriebs- und Sicherheitsanlagen (BSA) der Tunnel Cholfirst, Fässenstaub, Schönenberg erhalten. Das Astra hat ebenfalls die Aufträge für die Steuerung der Energieversorgung und der Lüftung des Galgenbucktunnels an Ticos vergeben.

«Wir sind schweizweit tätig. Schaffhausen war immer ein wenig ein Stiefkind. Umso mehr freut es mich, dass wir aktuell drei Aufträge in Schaff- hausen haben», sagt Kurt Salvisverg, der langjährige Ticos-Geschäftsführer. Bald fangen für ihn die Startsitzungen für den 1138 Meter langen Galgenbucktunnel an. «Wir haben zwei Lose gezogen», sagt Salvisberg in Anspielung auf die Vergabelose, die Arbeiten im Bauwesen nach Fachgebieten unterteilen. Salvisberg sagt: «Es ist schön, mehrere Lose in einem Tunnel zu haben.» Die Projektorganisation vereinfache sich dabei um ein Vielfaches.

1996 wurde die Nationalstrasse N04 zwischen Flurlingen und Schaffhausen-Nord eröffnet. Der Abschnitt umfasst die Tunnel Cholfirst und Fäsenstaub sowie die Galerie Schönenberg. Die BSA werden nun durch Ticos erneuert und modernisiert. «Steuerungen haben eine viel kürzere Lebenserwartung als Tunnel. 15 bis 20 Jahre sind schon eine lange Zeit», sagt Salvisberg.

Gefahren erkennen

Ticos ist landesweit tätig: «Wir haben in jedem Schweizer Tunnel die Finger drin. Auch am Gotthard», sagt Salvisberg. Je länger der Tunnel, desto mehr Technik hat es. Mittels Technik werden Temperatur, Schadstoffe, Luftfeuchtigkeit und Strömungsgeschwindigkeit gemessen, aber auch die Fahrzeuganzahl ermittelt. Gefahren können erkannt werden. Ticos sorgt beispielsweise dafür, dass immer genug Sauerstoff im Tunnel vorhanden ist, und zwar genau am richtigen Ort. Luft muss reingeblasen werden und auch wieder abgezogen, etwa in einem Brandfall: «Es geht blitzschnell, bis ein Tunnel voller Rauch ist. Die Kunst ist es, den Personen, die noch im Tunnel sind, genug Sauerstoff zum Atmen zuzuführen, aber möglichst das Feuer nicht weiter zu entfachen», sagt Salvisberg.

Wissen, nicht glauben

Die Projekte der Ticos sind komplex. Vorschriften und Vorgaben der Astra müssen minutiös eingehalten werden. Salvisberg sagt: «Wir sind das Hirn, unsere Firma ist für das Engineering zuständig. Wir erstellen Pläne, Programme, Schemata. Für die Ausführung sind dann andere Unternehmen verantwortlich.» Vielschichtig wird es normalerweise erst ab 500 Meter Tunnellänge. Ist ein Tunnel weniger lang, braucht es weniger Technik; nur Licht, keine Luft. Braucht es jedoch eine Sauerstoffversorgung, werden riesige Ventilatoren, manche so gross wie Einfamilienhäuser, benötigt – der Energieverbrauch ist entsprechend enorm.

Die 1992 gegründete Ticos Engineering & Software ist gut ausgelastet: «Unsere Firma bekommt drei bis vier von zehn Aufträgen», sagt der Chef von 20 Mitarbeitenden, hauptsächlich Ingenieuren. «Bei einer Vergabe geht es nicht nur um den Preis, auch die Erfahrung und die Leistung werden bewertet», erklärt Salvisberg. Ticos macht sich auch für die Lehrlingsausbildung stark. Die Ausbildung zum Automatiker dauert vier Jahre. «Sicherheit ist bei uns das Wichtigste. Ich sage den Lehrlingen immer wieder: Ihr müsst wissen, nicht glauben», sagt Kurt Salvisberg.

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