140 Schüler ziehen in Provisorium

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Autor
Saskia Baumgartner

Auf dem RhyTech-Areal – einem ehemaligen Industriegelände – werden ab 2018 Neuhauser Primarschüler zwei Jahre lang in den Unterricht gehen. Das, während das Schulhaus Kirchacker saniert und erweitert wird.

Es ist wohl die grösste ­Zügelaktion, welche die Neuhauser Schule je erlebt hat: Voraussichtlich ab Sommer 2018 muss eine komplette Primarschule – rund 140 Schüler – für zwei Jahre ausquartiert werden. Grund dafür ist die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Kirchacker im Ortszentrum, welcher die Neuhauser Bevölkerung im November 2016 zugestimmt hat. Fast 73 Prozent der Stimmenden sagten Ja zum knapp 22 Millionen Franken teuren Projekt, durch das neuer Schulraum geschaffen und der bestehende auf den neusten Stand gebracht werden soll.

Kein Umbau während Schul­betrieb

Es sei schnell klar gewesen, so Gemeindepräsident und Baureferent Stephan Rawyler, dass der Schulbetrieb während des Umbaus im Schulhaus nicht weitergehen könne. «Es wäre zu gefährlich.» Allein schon aufgrund der Baufahrzeuge, die dann auf dem Areal im Einsatz sind. Seit dieser Woche steht fest, wo die 140 Schüler unterkommen werden: auf dem RhyTech-Areal. Dort werden den Kindern eineinhalb Geschosse eines Bürogebäudes zur Verfügung stehen. Auch ein Pausenplatz soll geschaffen werden – dazu muss noch eine ungenutzte Baracke weichen. Der Pausenplatz misst dann 915 Quadratmeter. Aktuell stehen den Kindern auf dem Kirchacker-Areal 3000 Quadratmeter – davon rund 1800 als Fussball- und Basketballplatz – zur Verfügung.

«RhyTech-Projekt unproblematisch»

Derzeit sind auf dem RhyTech-Areal – einem ehemaligen Industriegelände der Alusuisse an der Klettgauerstrasse – verschiedene Technologiefirmen zu Hause. Das Areal war in den letzten Jahren vor allem wegen der dort geplanten Überbauung im Gespräch. Es soll ein neues Quartier mit 240 Wohnungen entstehen. Unter anderem sind zwei 56 und 74 Meter hohe Hochhäuser vorgesehen. Die geplante Überbauung werde die Schüler jedoch kaum tangieren, sagt Rawyler. Im Neubauprojekt wird das durch die Schüler belegte Gebäude erhalten bleiben.

Auch werde sich der Baustart vermutlich ohnehin eine Zeit lang hinauszögern. Zwar kann demnächst mit der Baueingabe gerechnet werden – Widerstand hat sich aber bereits angekündigt. Die Interessengemeinschaft «RhyTech ohne Türme» hat angekündigt, bis vor Bundesgericht gehen zu wollen, um die Hochhäuser zu verhindern. Sollte dennoch mit dem Bau begonnen werden, während die Schüler noch auf dem Areal sind, sei dies unproblematisch. Der Vermieter habe vertraglich zugesichert, eine Absperrung zu errichten, um die Schüler vom Geschehen zu trennen.

Bevor die Schüler im Sommer 2018 auf dem RhyTech-Areal starten können, stehen aber noch einige Umbaumassnahmen an. So soll für die Schüler ein separater Eingang eingerichtet und diverse nichttragende Wände entfernt werden. Die baulichen Massnahmen allein kosten 300 000 Franken. Die kompletten Kosten für die Umquartierung belaufen sich auf 718 000 Franken, so Rawyler.

«Die Lösung auf dem RhyTech-Areal ist 38 000 Franken günstiger als Container, zudem haben wir viel mehr Räume zur Ver- fügung.»

Stephan Rawyler, Baureferent Neuhausen

Das sei günstiger als die zuvor geprüfte Container-Option. Aufgrund der hohen Schülerzahlen wäre eine ­regelrechte ContainerSiedlung nötig gewesen. Als Standort für die Container waren die Burgunwiese, die nur wenige Meter vom Kirchacker-Schulhaus entfernt ist, und das Gemeindewiesen-Areal im Gespräch. Auf dem Gemeindewiesen-Areal befinden sich zwei Schulhäuser. Ein Provisorium an dieser Stelle hätte also den Vorteil gehabt, dass auch Räumlichkeiten der dortigen Schulen hätten mitbenutzt werden können. Allerdings ist das Gemeindewiesen-Areal über zwei Kilometer vom Schulhaus Kirchacker entfernt. Zudem hätte die Container-Lösung 756 000 Franken gekostet. «Das schien mir sehr viel Geld zu sein», sagt Rawyler. «Die Lösung im RhyTech ist 38 000 Franken günstiger, zudem haben wir viel mehr Räume zur Verfügung.» Schulreferent Ruedi Meier erklärt, dass auf dem RhyTech-Areal neben Schulzimmern auch viele Gruppenräume zur Verfügung ständen. Zudem, so Rawyler, sei die Qualität der Räume in einem Bürogebäude viel besser als in einem Container: «Ein Container ist nichts anderes als eine Baracke.»

Sicherer Schulweg als Kriterium

Neben den Kosten sowie der Qualität und Grösse der Räumlichkeiten gab es noch weitere Kriterien, die bei der Wahl des Provisoriums eine Rolle spielten. «Der sichere Schulweg war uns ein wichtiges Anliegen», sagt Schulreferent Meier. Zum RhyTech-Areal könnten die Schüler auf sicherem Weg vom Zentrum aus gelangen – es gebe etwa durchgehend Gehwege. Die Distanz zwischen Schulhaus Kirchacker und dem RhyTech beträgt rund einen Kilometer. Mit der jetzigen Lösung sei man insgesamt sehr zufrieden und glücklich, betonen Rawyler und Meier.

 

 

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