Der Mädchenschwarm auf dem Herrenacker

Publiziert am
Autor
Zeno Geisseler

Nemo ist 17, und seine gute Laune ist einfach ansteckend. Für Schaffhausen hatte er noch eine Überraschung dabei: einen unveröffentlichten Song.

Mit 17 träumen die meisten jungen Musiker noch nicht einmal davon, auf der «Startrampe» auf dem Fronwagplatz aufzutreten, der junge Bieler Rapper Nemo aber hat es sich gestern schon mal auf der grossen Bühne auf dem Herrenacker gemütlich gemacht. Als Auftakt zu einem ausverkauften Abend brachte er das Publikum mit einer bemerkenswerten Routine in beste Laune.

Dabei wäre Nemo um ein Haar gar nicht erst nach Schaffhausen gekommen: Nach einem Konzert in Budapest hätte seine Band gestern Morgen um 9  Uhr in die Schweiz zurückfliegen sollen, doch die Swiss cancelte den Flug. Erst um 16.20 Uhr landete Nemo schliesslich in Zürich, düste nach Schaffhausen und legte um kurz nach 18.30 Uhr los – und wie! Von Anfang an ging der Herrenacker voll mit, Primarschulkinder genauso wie gesetztere Herren. Die grössten Fans standen direkt vor der Bühne, darunter einige kreischende Mädchen. Deren Hormonpegel dürfte neue Höhen erklommen haben, als Nemo ankündigte, ein noch unveröffentlichtes Stück zu singen – «Du», ein Song darüber, dass er vom Portemonnaie bis zur Tasche fast alles ständig verliere, «aber öppis bhaut i für immer, und das bisch du». Tönt kitschig? Nicht aus dem Mund dieses 17-Jährigen.

Dann wurde es jazzig – «ich habe gehört, in Schaffhausen gebe es ein paar Leute, die gern Jazz haben», meinte Nemo, und spielte «Jazz i mir». Anschliessend war sein grosser Hit «Himalaya» dran. «Chöit der tanze? Eg o nid, machemers gliich?», sagte er zur Einleitung, und spätestens jetzt setzte sich die Generation Ü40 die Gehörschutzpropfen ein.

Kurz nach 19 Uhr der erste Abschied, aber das war eigentlich nur ein Auftakt für die Zugaben. Ein Lied war nicht von ihm, sondern von Mani Matter, «I han es Zündhölzli azündt». Nemo stand am E-Piano, das Publikum stand im Regen und sang feurig mit.

Als zweitletzter Hit dann noch «Ke Bock», von dem es, Anspieltipp auf Youtube, ein gelungenes Video gibt. «Ha ke Bock of so Facebook-Poete, wo ergendwelche Seich tüe prolete. S Bla-bla-Bla isch villicht jo wahr, aber Bock hani trotzdäm ned».

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