Mit ihrem Camper gehen sie ihrer Passion nach

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Dario Muffler

Mit 76 Jahren touren Herbert und Karin Tilsner noch immer munter durch ganz Europa: von Radrennen zu Radrennen.

Karin und Herbert Tilsner sind stolz auf ihre Sammlung von 600 Wegweisern von Radrennen aus ganz Europa. Bild: Dario Muffler

Ein Herzinfarkt ist der Grund für ihr Hobby. Ein Hobby, das Herbert und ­Karin Tilsner seit 16 Jahren pflegen. Vor dem Infarkt ist Herbert Tilsner Ultramarathon gelaufen. Damit war danach Schluss. Heute macht er die Hunderte von Kilometern nicht mehr zu Fuss, sondern mit einem Camper. «Wir starten im Frühjahr mit den Klassikern», sagt Karin Tilsner. Von da an sind die beiden den Grossteil des Jahres quer durch Europa auf Achse, um Radrennen zu besuchen. Und das mit 76 Jahren. Man merkt dem Pärchen aus Aachen das Alter nicht an. Karin Tilsner sitzt anfänglich zwar bequem in einem Campingstuhl, und Herbert Tilsner will erst gar nicht aus dem Camper kommen. Als die beiden von ihrer Passion erzählen, spürt man dann aber kindliche Begeisterung. «Wir sammeln Wegweiser der Rennen und lassen sie von Fahrern unterschreiben», sagt Karin Tilsner. 600 Stück sind es inzwischen. Auf jedem Schild ist ein kleines Bild des Fahrers zu sehen, der unterschrieben hat. Jedes Schild wird fotografiert und kommt in einen Ordner. «Ja, ich bin stolz, wenn ich das jemandem zeigen kann», sagt Herbert Tilsner.

In ihrer Sammlung findet sich auch eine Unterschrift von Lance Armstrong. Auch wenn Karin Tilsner diese nur widerwillig geholt habe: «Mein Mann wollte unbedingt eine Unterschrift von ihm. Ich war wütend, weil ich den Mann nicht leiden kann», sagt sie. Eigentlich sei es ja auch unmöglich gewesen, an ihn heranzukommen. Armstrong war in der Regel mit Bodyguards unterwegs. «Vor einer Tür stand damals ein solcher Bodyguard, der so breit und so hoch wie der Türrahmen war», erzählt sie weiter. «Der Bodyguard musterte mich und mein Schild. Als Armstrong kam, zwinkerte er mir zu und ging rasch zur Seite.»

Von der diesjährigen Tour de Suisse haben sie eine Tafel mit einem Autogramm des Vorjahressiegers Miguel Angel Lopez. «Die Tafeln sind hier immer sehr schnell wieder abmontiert», sagt Herbert Tilsner. Er musste sogar schon Schilder zurückgeben. «Nicht aber in Frankreich. Dort sind sie froh, wenn jemand die zahlreichen Werbeplakate abnimmt», sagt er lachend.

Freunde von Didi Senft

An der Tour de France treffen sie auch immer wieder eine wahre Berühmtheit im Radsport: Didi Senft, einen bekannten Fan, der sich als Teufel verkleidet. Sie seien echte Freunde, erzählt das Ehepaar. «Er sagt immer, dass wir seine privaten Sponsoren sind», sagt Herbert Tilsner. «Er ist zwar ein Verrückter, aber eine angenehmer.» Mit Senft steigt Tilsner auch das einzige Mal im Jahr auf ein Fahrrad. Karin Tilsner kann gar nicht Rad fahren. Ihrer Faszination für den Radsport tut dies aber keinen Abbruch.

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