Eisgigant treibt in der Antarktis

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Schaffhauser N…

Am Südpol hat sich ein ­riesiger Eisberg vom Schelfeis gelöst. Er ist fast so gross wie der Kanton Bern und wird Jahre brauchen, bis er ­geschmolzen ist. Forscher fürchten, dass nun das Larsen-C-Schelfeis zerfallen könnte.

 

Jahrelang hatten Forscher den Riss im Schelfeis der Westantarktis beobachtet, der von Monat zu Monat länger wurde. Nun hatte das Warten ein Ende. Irgendwann zwischen Montag und Mittwoch brach die Eismasse vom übrigen Schelfeis ab – es entstand einer der fünf grössten Eisberge, die Forscher in den vergangenen Jahrzehnten registriert hatten.

175 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit – an den Bruchkanten geht es stellenweise bis zu 500 Meter in die Tiefe bis zum Meer. Mit einer Fläche von 5800 Quadratkilometern ist er fast so gross wie der Kanton Bern – und doch nur knapp halb so gross wie der bisherige Rekordhalter: B15 – so dessen Name – hatte sich im März 2000 vom Ross-Schelfeis der Antarktis gelöst. Den neuen Abbruch hatten Forscher seit Monaten kommen sehen, zuletzt hing der Eisberg nur noch an einer schmalen Verbindung. Nach Angaben des britischen Antarktisprojekts Mida», welches das Larsen-C-Schelfeis untersucht, soll der Tafeleisberg den Namen A68 erhalten.

Schweizer Forschung am Eisschelf

Das Larsen-C-Schelfeis steht auch seit Jahren im Fokus der Schweizer Polarforscher um Konrad Steffen von der Forschungsanstalt WSL und der ETH Zürich. Sie hatten beispielsweise die Unterseite des Schelfs «geröntgt» und dabei Rinnen entdeckt, die schon auf das künftige Auseinanderbrechen hindeuteten. Seither haben sie diese Schmelzrinnen beobachtet. «Das Abbrechen von Schelfeis ist ein ganz natürlicher Vorgang», erklärt Steffen. «Das Eis fliesst langsam Richtung Meer und reisst immer wieder stückchenweise ab.» Ungewöhnlich sei jedoch, wie schnell sich der Riss in diesem Fall ausgebreitet habe.

«Voraussichtlich wird der Eisberg durch die Meeresströmungen um die Antarktis herumgetrieben», so Steffen weiter. Wegen seiner länglichen Form sei es sehr wahrscheinlich, dass der Eisberg auseinanderbreche. Dennoch könne er in Einzelteilen zwei bis vier Jahre überdauern, bis er vollständig geschmolzen sei.

Eine Gefahr für Menschen geht von dem Giganten nicht aus. «Er schwimmt in einem sehr abgelegenen Teil der Erde», sagt die Glaziologin Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, die am Mida»-Projekt der britischen Universität Swansea beteiligt ist. «Und einen Eisberg dieser Grösse kann man per Satellit super verfolgen.» Schiffe wüssten somit, wo er sich gerade aufhalte.

Meeresspiegel steigt

Jetzt, wo der Eisberg abgebrochen ist, ist er für die Wissenschaftler eigentlich nicht mehr ganz so spannend. «Uns interessiert, wie es an der Kalbungsfront des Larsen-C-Schelfeises weitergeht», betont Jansen. Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. Das Larsen-C-Schelfeis ist das viertgrösste Schelfeis der Antarktis. Es hat eine Fläche von fast 50 000 Quadratkilometern. Wissenschaftler befürchten, dass sich mit dem Abbruch des Eisbergs die neu entstandene Eiskante durch permanentes Krümeln weiter zurückzieht und das Schelfeis schliesslich in absehbarer Zeit komplett zerfällt. Diesen Prozess haben Forscher schon mehrfach beobachtet: In den letzten 20 Jahren sind sieben Schelfeise an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen. In der Folge können die Eisströme der Gletscher langsam, aber ungebremst ins Wasser fliessen, was letztlich zur Erhöhung des Meeresspiegels führt.

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