18.05.2010
Mit dem Unternehmen etwas Gutes tun
Gute Partner heisst ein neues Projekt der Fachstelle für Freiwilligenarbeit Benevol, welches vermehrt Unternehmen und Service-Clubsmit Non-Profit-Organisationenzusammenbringen soll.
von Philipp Lenherr
Schaffhausen Statt wie fast jeden Tag im Büro zu arbeiten, einmal ein Grillfest für die Bewohner des Behindertenheims Diheiplus und deren Angehörige durchführen. 15 Angestellte der Schaffhauser Niederlassung des US-amerikanischen Schuh- und Bekleidungsherstellers Timberland haben diese Erfahrung letzten August gemacht (siehe SN vom 25. 8. 2009). In vielen US-amerikanischen Firmen mit Niederlassungen in der Region sind solche Einsätze, auf Kosten des Arbeitgebers wohlgemerkt, selbstverständlich. In der Schweiz hingegen beschränken sich Firmenaktivitäten ausserhalb der normalen Arbeit häufig auf Firmenausflug, Weihnachtsessen und allenfalls einen Teambildungsanlass. «Genau das wollen wir mit dem Projekt Gute Partner ändern», so Elsbeth Fischer, Stellenleiterin von Benevol Schaffhausen, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit. «Einsätze für einen guten Zweck sind wohl fast schon Bestandteil der amerikanischen Mentalität. US-Firmen sind häufig bereit, Zeit und Material dafür zur Verfügung zu stellen», so Fischer weiter. Die Zusammenarbeit zwischen Timberland und Diheiplus beispielsweise habe sich bereits etabliert.
Schweizer Firmen zurückhaltend
Die nötige Überzeugungsarbeit bei Schweizer Firmen und hier ansässigen Service-Clubs zu leisten, ist die Aufgabe von Marina Furrer, der Leiterin des Projekts. «Den Zugang zu Schweizer Firmen zu finden, ist jetzt in der Anfangsphase des Projektes sehr wichtig. Manche winken gleich ab, andere wollen sich die Sache zumindest näher anschauen», so Furrer. Mit zwei Service-Clubs würden zurzeit Gespräche über einen möglichen Einsatz laufen. Die Rolle von Benevol ist die des Vermittlers.
Zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
13 mögliche Einsätze von verschiedenen Non-Profit-Organisationen werden in der aktuellen Broschüre zum Projekt aufgelistet. Gleich mehrere Einsatzmöglichkeiten gibt es in Altersheimen. So sucht das Alterswohnheim Thayngen beispielsweise Leute, die für die rund 80 Bewohnerinnen und Bewohner einen Herbstausflug organisieren und durchführen. Das tönt nach nicht allzu viel Arbeit – kann aber täuschen. «Die Einsätze müssen sauber vorbereitet werden. Der Umgang mit dementen Menschen beispielsweise ist anspruchsvoll», so Furrer. Deshalb sei in einem solchen Fall zuerst ein Gespräch vorgesehen, dann eine Einführung und ein erster kurzer Einsatz mit Begleitung. Erst dann kann der eigentliche Einsatz stattfinden. Ideal wäre deshalb, wenn es nicht bei einer einmaligen Zusammenarbeit bliebe. Erwünscht sind längerfristige Partnerschaften zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen. «Die Waage muss für die teilnehmenden Firmen und Service-Clubs natürlich stimmen», so Furrer weiter. Zum einen würden die Teilnehmer neue Lebensrealitäten kennenlernen. Zum andern seien solche Einsätze gut für das Image der Firma. «Nicht zu verwechseln sind solche Einsätze für einen guten Zweck aber mit Teambildungsanlässen, darüber musste ich bereits mehrere mögliche Interessenten aufklären», so Elsbeth Fischer. «Es geht darum, etwas Gutes zu tun im ursprünglichen Sinn», so Marina Furrer. Finanziert wird das Projekt aus dem mit 10 000 Franken dotierten Carl-Oechslin-Preis, den Benevol letztes Jahr erhalten hat.

