30.01.2010
«Das Geld ist der Stachel im Fleisch»
Ein Podiumsgespräch zum Thema «Das liebe Geld» stand am letzten Abend des diesjährigen Kronenhofkurses in der Zwinglikirche auf dem Programm.
Von Alfred Wüger
«Die Kirche», sagte Pfarrer Peter Vogelsanger in seiner Begrüssung, «hat Personal, sie hat Geld und daher eine Verpflichtung zum sorgfältigen Umgang mit ihren Ressourcen.» Moderator Beat Stöckli, bei der Bank Wegelin tätiger Jurist, wollte zunächst wissen: «Was bedeutet Geld für Sie ganz persönlich?» Für Pfarrerin Doris Brodbeck, Ökumene und Mission, ist Geld nötig, um den Alltag zu bestreiten. Sie arbeitete lange Teilzeit und brach eine Lanze für ehrenamtliche Arbeit. Für den Franziskaner Christoph-Maria Hörtner ist Geld ebenfalls nötig für den Alltag. «In unserer Gemeinschaft auf der Insel Werd kommt alles in einen Topf. Was reinkommt, geht auch wieder raus.» Auch Ramu Bhalla, Pastor einer Freikirche, ist «kein Sparer». Sein Vater, indischer Geschäftsmann, habe jeweils am Abend das Geld aufs Bett geschüttet und gesagt: «So viel habe ich heute verdient.» Für Norbert Gschwend, Finanzreferent der römisch-katholischen Kirchgemeinde Schaffhausen, bedeutet Geld Freiheit, und für Heinz Schmid, Zentralkassier der evangelisch-reformierten Landeskirche, bedeutet es Sicherheit. Im weiteren Verlauf des eher als Fragerunde denn als Diskussion gestalteten Abends stellte sich heraus, dass weder Kirche noch Geistliche ohne Geld auskommen. «Weil wir Geld haben, können wir können grosszügig sein», sagte Doris Brodbeck, und Norbert Gschwend wies darauf hin, dass es nur in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland Kirchensteuern gebe, was ein Privileg sei. Die Freikirche, so Ramu Bhalla, lebe vom Zehnten ihrer Mitglieder. Und: «Auch sehr Reiche folgten Jesus nach. Transparenz ist für uns wichtig.» Bruder Christoph Maria sagte: «Das Geld ist der Stachel in unserem Fleisch», denn die Franziskaner kommen aus der mittelalterlichen Armutsbewegung, für Franz von Assisi war Geld «Eselsmist, den man nicht anfasst». Die Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit! Doris Brodbeck: «Die refomierte Kirche will wissen, was mit Spendengeldern geschieht. Wir helfen nicht blind.» Für die Franziskaner hat Gerechtigkeit mit Liebe zu tun, und für Ramu Bhalla fliessen Geld und Geist ineinander. «Wir Menschen sind grundsätzlich die Beschenkten», sagte er. «Das, was wir haben, auch unsere Begabungen, sind Verpflichtung.» Geld und Glauben würden eng zusammenhängen, «die Angst vor dem Verzicht» wirke lähmend im Umgang mit Geld. Ramu Bhalla machte Mut, bei Finanzknappheit die «Bedürfnisse bei Gott anzumelden», zu beten. Seinen Voten merkte man an, dass er Weltgegenden kennt, wo nicht das Geld Freiheit und Sicherheit gibt, sondern die gelebte Beziehung zu Gott.
Nach einigen Fragen aus dem Publikum wurde ein Apéro charmant kredenzt, und angeregt diskutierten die gut fünfzig Anwesenden.

