03.12.2009
Von Japan via Uhwiesen nach Vancouver
Die Japanerin Tomoka Takeuchi steht vor der dritten Teilnahme an Olympischen Winterspielen. Im Winter lebt und trainiert sie rund eine Woche pro Monat in Uhwiesen und Umgebung.
Von Reinhard Standke
Snowboard «Es war immer mein Traum, mit einem europäischen Team zu trainieren», sagt Tomoka Takeuchi, die sich 2007 den Schweizern anschliessen konnte. «In Japan liegt nur von Dezember bis März Schnee, in Europa in der ganzen Saison. Nun kann ich mit guten Athleten trainieren, alleine weiss ich nicht, wo ich stehe, ob ich gut oder schlecht bin.» Royce’ Chocolate, einer ihrer Sponsoren, vermittelte den Kontakt zu einem Bekannten in Uhwiesen, wo sie in einem Zimmer wohnen kann. Rund eine Woche im Monat verbringt sie in der Wintersaison dort, absolviert in Uhwiesen und Umgebung Fitness- und Krafttraining, geht Velofahren, Schwimmen, Laufen und Inlinen.
Aufgewachsen ist die 25-jährige Tomoka Takeuchi in einem der Skigebiete Hokkaidos. Sie nahm bereits an den Olympischen Spielen in Salt Lake City (2002) und Turin (2006) teil. Als Drittplazierte des Alpin-Snowboard-Weltcups 2009 darf die Japanerin auch für die Olympischen Winterspiele in Vancouver mit der Selektion für den Pa- rallel-Riesenslalom rechnen, der am 26. Februar 2010 ausgetragen wird.
Mit zwei Jahren schon auf Skiern
Da ihre Eltern ein Hotel in einem Nationalpark führen, lag es nahe, dass Tomoka Takeuchi mit zwei Jahren auf den Ski stand. Zehn Jahre später wechselte sie auf das Snowboard, besuchte ab 15 Jahren eine Sportschule und gewann ein Jahr später die Japanische Meisterschaft. Dann wurde sie zu Weltcup- Wettbewerben geschickt. «Ich wollte aber eigentlich lieber in die Schule gehen und mit meinen Kollegen zusammen sein, anstatt im Ausland und im Schnee zu sein», erzählt sei. Zwei, drei Jahre war sie als Snowboardprofi nicht so froh, bei der ersten Olympiateilnahme in Salt Lake City 2002 wurde Takeuchi 22. «Ich war nervös, es war ein steiler eisiger Hang, viele Zuschauer, ganz anders als im Weltcup.» In Turin vier Jahre später erreichte sie den Achtelfinal, schied hier aber aus. «Nicht alle in Japan verstehen, dass ich in der Schweiz trainiere, aber die Zeitungen schreiben über mich, da ich knapp hinter den Medaillenrängen liege», erklärt Tomoka Takeuchi in ausgezeichnetem Deutsch. «Ich habe viel überlegt, ob ich Deutsch oder Englisch lernen soll, aber ich möchte später in der Schweiz wohnen. Hier ist es ruhiger, die Schweizer haben weniger Interesse an Spitzensportlern», sagt Takeuchi, die erneut von einem japanischen Fernsehteam beobachtet wird, die eine zweite 45-minütige Dokumentation erstellen wollen.
Ziel: Olympisches Gold
Das Ziel der ehrgeizigen Japanerin für die Olympischen Winterspiele in Vancouver ist die Goldmedaille im Parallel-Riesenslalom. «Es ist alles möglich, aber man braucht viel Glück, und es muss alles stimmen. Wenn ich mir Rang zwei oder drei als Ziel setze, dann werde ich auch nur Zweite oder Dritte», erklärt Tomoka Takeuchi, die sich gut fühlt und vor Olympia noch ein Weltcup-Rennen gewinnen will. In der zweiten Saison fährt sie ein Black Pearl Board, die Marke der Gebrüder Simon und Philipp Schoch. Im Winter 2008/2009 stand sie damit viermal auf dem Weltcuppodest und schloss die Saison als Dritte der Alpinwertung ab. Nachdem das Weltcuprennen vom kommenden Sonntag in Limone Piemonte wegen Schneemangel abgesagt worden ist, bereitet sich Tomoka Takeuchi in Davos auf den Start in Telluride (USA) vor.
Persönlich Snowboard-Profi Tomoka Takeuchi
Geboren: 21. Dezember 1983; Geburtsort: Asahikawa, Hokkaido (Japan); Beruf: Snowboard-Profi Sportart: Snowboard Alpin (ohne Halfpipe und Bordercross); Ihre grössten Erfolge bisher: 22. Parallel-Riesenslalom Olympia 2002 Salt Lake City; 9. Parallel-Riesenslalom Olympia 2006 Turin; 11. Weltcup Alpin 2008; 3. Weltcup Alpin 2009; 6. Weltcup gesamt 2009; 4. WM Parallel-Riesen- slalom 2009 in Gangwon (Kor). Sportliches Ziel 2010: Goldmedaille im Parallel-Riesenslalom bei den Olympischen Winterspielen in Kanada.

