Umbau bei der Post

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Zeno Geisseler

Seit Jahren schliesst die Post Filiale um Filiale, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Jetzt hat eine neue Welle den Kanton Schaffhausen erreicht: Am Donnerstag hat die Post angekündigt, dass die Poststellen in Hallau und Ramsen sowie die Schaffhauser Quartierfilialen Buchthalen und Breite «zu überprüfen» seien. Das heisst, die Post sieht für diese Standorte keine Zukunft mehr.

Zeno Geisseler. Bild: Selwyn Hoffmann

Am Donnerstag hat die Post angekündigt, dass die Poststellen in Hallau und Ramsen sowie die Schaffhauser Quartierfilialen Buchthalen und Breite «zu überprüfen» seien. Für sechs weitere Filialen, Beringen, Herblingen, Neuhausen, Schaffhausen, Stein am Rhein und Thayngen, gibt die Post eine Garantie ab, aber bloss bis 2020.

Grosses Engagement der Gemeinden, aber kleine Chancen

In der Bevölkerung und in der Politik sorgen solche Pläne jeweils für viel Unmut. 2004 stimmte das Schweizervolk über die Initiative «Postdienste für alle» ab, welche ein flächendeckendes Poststellennetz forderte. Sie wurde aber abgelehnt. Im gleichen Jahr machte die Post ihre Pläne zur Schliessung der Schaffhauser Stadtfilialen Unterstadt und Niklausen bekannt. Damals sammelten die Quartiervereine Unterschriften. Genützt hat es nichts. Auch jetzt kündigt die Stadt Widerstand gegen das Ende der Filialen Breite und Buchthalen an, und die Gemeindepräsidien von Hallau und Ramsen versprechen, für den Erhalt ihrer Poststelle zu kämpfen.

Doch so gross das Engagement der Gemeindevertreter ist, so klein ist die Chance, dass die Post ihre Meinung ­ändert. Die Post verspricht einen offenen Dialog, sie wird sich mit Gemeindevertretern zusammensetzen und sich den Fragen der Bevölkerung stellen. Doch ihre Pläne umstossen wird sie kaum. Und so gilt die Post einmal mehr als der böse gelbe Riese, als ein grosser Staatsbetrieb, der sich über die Bedürfnisse der Leute in den kleinen Gemeinden einfach hinwegsetzt und den Service public reduziert.

Private Briefe nur noch für Hochzeiten, Geburten und Todesfälle

Doch ganz so einfach ist es nicht. Es ist ja nicht bloss die Post, welche ihr Filialnetz Jahr für Jahr schrumpfen lässt. Wir alle tun es. Wir, als Gesellschaft, gehen nicht mehr so oft auf die Post wie früher, wir brauchen die Post nicht mehr so wie einst. Alles, was die Post seit Jahren tut, ist, auf diese Entwicklung zu reagieren.

Postfilialen waren früher für zwei Prozesse unabdingbar: für Einzahlungen und für das Versenden von Briefen und Paketen. Für beides gibt es längst Alternativen. Einzahlungsscheine können mit dem Smartphone gescannt werden, und mit zwei Klicks ist die Zahlung vom Post- oder Bankkonto ausgelöst. Noch schneller geht es mit elektronischen Rechnungen: Statt überhaupt noch Rechnung und Einzahlungsschein per Post zu versenden, erscheint die E-Rechnung direkt im E-Banking. Zwei, drei Klicks, und sie ist bezahlt. Das ist schneller, umweltfreundlicher und auch diskreter als eine traditionelle Rechnung. Der Briefversand wiederum wird schon lange von E-Mail und SMS bedrängt. In den letzten Jahren sind Onlinedienste wie Facebook und Twitter, WhatsApp, ­Instagram und Snapchat dazugekommen. Im privaten Verkehr werden Briefe höchstens noch für Ereignisse von ganz besonderer Tragweite verwendet: für die Ankündigung von Hochzeiten, Geburten und Todesfällen.

Bei den Paketen wiederum ist der Markt zum grossen Teil frei. So bieten zum Beispiel auch die SBB zusammen mit DHL den Paketversand an, und DPD, eine Tochter der französischen Post, unterhält Paketstellen bei Drogerien und Floristen auch in Schaffhauser Landgemeinden. Auch die Post selbst hat längst Alternativen zur traditionellen Filiale aufgebaut. Es gibt Postagenturen in Dorfläden, Aufgabe- und Abholstellen bei externen Partnern und Paketautomaten. In vielen Gemeinden gibt es sogar einen Hausservice. Damit kommt die Post gerade auch älteren Leuten entgegen, die mit Onlinetools nicht umgehen können.

Wäre eine Rückkehr in die «gute alte Zeit» eine Option? Kaum

Es wäre viel zu einseitig, nur den Rückgang der traditionellen Postfilialen zu beklagen. Denn im Gegenzug ist ein Fächer von Alternativen aufgegangen, von dem unsere Vorfahren nur träumen konnten. Heute ist es so einfach, schnell und günstig wie noch nie, Mitteilungen und Waren weltweit zu versenden oder Finanzgeschäfte zu tätigen. Niemand kann sich da ernsthaft die «gute alte Zeit» zurückwünschen, als wir alle noch mit dem gelben Einzahlungsbüchlein und einem Bündel Bargeld vor dem Postschalter Schlange standen.

Es ist nicht bloss die Post, die Filialen schliesst. Wir alle tun es. Wir alle brauchen die Post weniger als früher.

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